Es steht mir im Gesicht geschrieben

Schreib! Schreib, über das, was dir wichtig ist! Schreib über alles, was dich stört! Schreib über das, was dich berührt, was dich aufregt. Schreib über das, was du ändern willst. Auch, wenn du nur eine kleine Stimme im Vogelgeschrei des Dschungels bist. Schreib, über die Dinge, um die du dich sorgst. Schreib, über das, was dich begeistert. Was wäre denn diese Welt ohne die Vielfalt der Dinge?

So viele Blogger, Kolumnisten,Alltagszwitscherer, Journalisten. Wenn wir davon ausgehen, dass sie schon alles gesagt haben, liegen wir weit daneben. Wenn wir davon ausgehen, alles was sie schreiben sei richtig, liegen wir weit weit weit daneben. Ein Glück gibt es genug Möglichkeiten, von sich hören zu lassen- manchmal mehr als nötig.

Lass dich nicht erdrücken von der Vielzahl des Bereitsgesagten, der Vielzahl, der Menschen, die bereits ihre Meinung sagen. Hab keine Angst vor dem Gedanken, sowieso nicht wahrgenommen zu werden. Wenn ich so gedacht hätte, würdest du das jetzt nicht lesen.

In dieser Welt in der jede einzelne Meinung zählt und doch, durch die Vielzahl unterzugehen scheint, in dieser Welt müssen wir unsere eigene Stimme finden. Nicht nur, um gelesen und gehört zu werden, von wem auch immer, sondern auch, um uns selbst zu hören, selbst zu erkennen, was wir denken. Schreib. Fang einfach an.

Maybe it was already told, but not by you!

Vor einem Jahr habe ich genau das getan. Wortwörtlich habe ich Worte  und Aussagen verbunden, nicht nur getippt oder mit der Hand Buchstaben aus Tinte geformt, sondern gestempelt. Mühselig jeden einzelnen Buchstaben in die Druckerfarbe gedrückt- zuerst Blau, dann Rot, damit sie ein großes Ganzes aus Gedanken und Geschichten ergeben. Worte wurden zu Sätzen und Sätze zu Aussagen, die nach und nach linienartig mein Gesicht und mein Haar bildeten. Durch das, was ich da gefunden und gedacht habe, erkannte ich meine Stimme. Meine Botschaft, die aus so viel Liebe, Erschütterung, Empörung und Endgültigkeit bestand. Ich konnte all das teilen, über mein Abbild, meinen leider etwas zu wütend gewordenen Blick und über die lila Worte, durch die all das entstanden war.

Meine Botschaft betrifft all die Töchter, Mütter, Freundinnen, aber genauso all die Freunde, Väter, Brüder. Es sind die Reaktionen und das Verhalten, die viele vom jeweils anderem zu spüren bekommen. Einige mehr andere weniger, aber wenn wir die Augen öffnen, einfach nur Dinge bemerken, dann erkennen wir all die Widersprüche. Es ist die ständige Erniedrigung. Das elende Festhalten an alten Stereotypen. Die niemals endende häusliche Gewalt. Das Klassifizieren und Objektivieren. Das Definieren von Gleichheit zwischen Mann und Frau, denn Feminismus beinhaltet nicht nur Frauen. Das ist etwas, was ich während meiner Recherchen immer wieder erkannt habe. Viele denken Feminismus beinhalte nur Frauen, aber dem ist nicht so. Feminismus bedeutet so viel mehr, als Frauenstärke.

Tatsächlich ist dieses gesamte Problem so riesig, dass mein Gesicht dafür nicht ausgereicht hat. Und Zeit – Zeit spielt auch eine Rolle, denn es bringt mir wenig, mein Leben mit dem Drucken von Buchstaben zu verbringen. Aber es war ein Anfang, richtig? Es ist ein nie endender Prozess, denn es ist ein so altes Problem mit immer neuen Geschichten und Ereignissen. Es beginnt mit einem Tweet, einem Hashtag, einer kurzen Bemerkung. Dann fangen wir an, zu entwickeln. Wir reagieren und handeln. Schreiben und Handeln-der perfekte Ausgleich!

Jeder hat mindestens eine Botschaft, die er ins sich trägt, eingebettet in die unermüdliche Empörung über eine Sache. So als würde dich insgeheim jedes Mal etwas  aufregen und endlich kannst du dich ausreden, kannst sagen, wie sehr es dich stört.

Der Kopf wartet nur darauf, geöffnet zu werden, die geborgenen Botschaften nach außen fliegen zu lassen. Also, schreib, um diese Botschaften empor fliegen zu sehen.

Wir schreiben und reden und teilen und damit sollten wir niemals aufhören. Doch sei gewarnt, denke bevor du etwas aussagst, wäge ab und informier dich, bevor du urteilst.


Ich habe dieses ,,Projekt“ in der Freien Kunstklasse realisieren können und bin sehr dankbar dafür. Unter folgendem Link findet ihr die Seite dazu.                                 https://freie-kunstklasse.de/kristina-vasilevskaja

Informiert euch